Die Organspende

Die Niere ist beim heutigen Stand der Wissenschaft das einzige Organ, das bei einer Schädigung sowohl durch ein technisches Verfahren – das Dialyseverfahren – als auch durch ein Transplantat ersetzt werden kann, wobei es sich um das Transplantat eines lebenden oder eines verstorbenen Spenders handeln darf. Die Medizin beschäftigt sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts mit diesen beiden Therapiemöglichkeiten und hat die Niere zum „Leitorgan“ der Transplantationsmedizin erkoren.
Die Niere bietet sich als Leitorgan an, da sie die folgende Voraussetzungen bietet:

Eine Nierentransplantation findet im Regelfall zwischen zwei genetisch unterschiedlichen Menschen statt. Eine solche allogene Transplantation birgt das Risiko in sich, dass es zu einer immunologischen Abwehrreaktion des Empfängerorganismus gegen das transplantierte Organ kommt. Diese Immunreaktionen stellen die größte Gefahr für den langfristigen Erfolg einer Transplantation dar und ihre Beherrschung steht so im Mittelpunkt der post-operativen Behandlung.

Ursache der unerwünschten Immunreaktionen sind sogenannte Antigene, die sich auf allen Körperzellen befinden, also auf dem transplantierten Organ wie auf den Zellen des Blutgruppensystems des Empfängers und auf dessen Immunzellen. Antigene haben eine wichtige Funktion bei immunologischen Abwehrreaktionen, da sie „Eigen“ und „Fremd“ identifizieren können. Sie werden auch Histokompatibilitätsantigene(von histo = Gewebe, Kompatibilität = Verträglichkeit) bzw. HLA-Antigene genannt, da sie zum HLA-System (Human Leucocyte Antigen System) des Immunsystems gehören und eine Transplantationsabstoßungsreaktion im Körper des Empfängers hervorrufen können. Normalerweise stellen die HLA-Antigene einen wichtigen Schutzmechanismus unseres Immunsystems dar, da bestimmte Immunzellen permanent mit dem Blutkreislauf durch unseren Körper zirkulieren und somit jederzeit jede Zelle, die sich im Körper befindet auf „Eigen“ oder „Fremd“ hin überprüfen können. Sollten sich tatsächlich einmal Bekterien oder fremde Kleinstorganismen im menschlichen Körper einnisten, können die Immunzellen sie als „Fremd“ einstufen, da sich keine körpereigenen HLA-Antigene auf der Oberfläche der Fremdkörper befinden. In diesem Fall setzen die Immunzellen eine Immunreaktion gegen die identifizierten Fremdorganismen in Gang.

Eine solche Immunreaktion ist im Falle einer Transplantation natürlich unerwünscht, da ja eine langfristige Toleranz des Transplantats und dessen Funktionstüchtigkeit das Ziel ist. Um die Abstoßungsreaktion zu unterdrücken (supprimieren), wird beim Organempfänger sofort nach der Transplantation mit einer lebenslangen Medikamententherapie begonnen. Diese ist notwendigerweise lebenslang, da eine körpereigene Abstoßungsreaktion gegen das Transplantat durch die eingesetzten Immunsuppressiva nur unterdrückt, aber nicht verhindert werden kann.